Resilienz als neue Währung – Teil 1: Wenn Regulierung zum Wettbewerbsvorteil wird

Wie der Cyber Resilience Act und der EU-Bürokratieabbau Europas industrielle Sicherheitsstrategie neu definieren
Das Jahr 2025 hat gezeigt: Cyberangriffe werden immer komplexer, Regulierungen immer umfangreicher und der Druck auf Unternehmen steigt. Doch wer Regulierung als strategische Chance begreift, kann daraus echte Wettbewerbsvorteile gewinnen. Was bedeutet der Cyber Resilience Act (CRA) konkret für die Industrie und warum bewegt sich in der EU auch beim Thema Bürokratie etwas?
Cybersecurity entwickelt sich von einer isolierten IT-Disziplin zu einem integralen Bestandteil industrieller Wertschöpfung. Mit Regulierungen wie dem Cyber Resilience Act, NIS-2 und RED reagiert die EU auf eine Bedrohungslage, die sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft hat. Globale Spannungen, fragile Lieferketten und ein sich verschärfender Technologiewettbewerb machen deutlich, wie verwundbar kritische Infrastrukturen in Europa geworden sind.
Cyber Resilience Act & Cybersecurity: Sicherheit wird zur strategischen Pflicht
Angriffe auf industrielle Infrastrukturen und vernetzte Geräte werden durch Automatisierung und AI nicht nur häufiger, sondern auch qualitativ komplexer. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind gewaltig: Analysen beziffern die jährlichen Schäden durch Cyberangriffe in Europa auf mittlerweile über 200 Milliarden Euro. Zugleich Dabei treiben die regulatorischen Anforderungen die Nachfrage nach sicheren digitalen Produkten, die auf Compliance und Security ausgerichtet sind.
Die neuen EU-Vorgaben schaffen einen klaren Rahmen dafür, wie sichere digitale Produkte über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg entwickelt, betrieben und abgesichert werden müssen. Dazu gehören unter anderem der Integritätsschutz, verschlüsselte Datenkommunikation, kontinuierliche Updates und Threat Monitoring.
Kontron unterstützt Hersteller mit einem Portfolio an CRA-ready Bausteinen: KontronOS (gehärtetes, CRA-konformes Betriebssystem), KontronGrid (zentrale Compliance-Überwachung), KontronAIShield (KI-gestützte Bedrohungserkennung) sowie geeigneten Edge-Hardwareplattformen. Diese Lösungen helfen, den Anforderungen der EU-Regulatorik gerecht zu werden – und schaffen gleichzeitig eine robuste Grundlage für vernetzte Systeme vom Embedded Device bis zur Edge-Plattform.
Bürokratie im Wandel: Erste Signale für Entlastung
Trotz der wachsenden sicherheitsrelevanten Herausforderungen gibt es zumindest einen Lichtblick: Auch auf EU-Ebene wächst das Bewusstsein, dass übermäßige bürokratische Komplexität Innovation und Effizienz hemmen kann. Initiativen zur Vereinfachung von Berichtspflichten, digitale Compliance-Prozesse und die Harmonisierung von Standards zeigen, dass wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Regulierung kein Widerspruch sind.
Für Unternehmen ist die Richtung klar: Wer Regulierung frühzeitig strategisch integriert, kann daraus Effizienz, Planbarkeit und handfeste Wettbewerbsvorteile gewinnen.
Fazit: Compliance als Fundament
Cybersecurity ist 2026 keine optionale Ergänzung mehr, sondern ein zentraler Bestandteil jeder industriellen Strategie. Die EU-Regulierung schreibt Investitionen vor, schafft aber auch Klarheit und Planbarkeit. Unternehmen, die jetzt in sichere, CRA-konforme Infrastrukturen investieren, legen den Grundstein für eine Zukunft, die weit über die reine Compliance hinausgeht.
Dies ist der 1. Teil einer 2-teiligen Blog-Reihe mit Kontron CEO Hannes Niederhauser. Im 2. Teil des Artikels wird es darum gehen, wie AI und 5G die industrielle Edge transformieren und warum der Verteidigungssektor zum Innovationstreiber für die gesamte Industrie wird.
Über den Autor:
Hannes Niederhauser ist CEO der Kontron AG sowie seit dem 4. März 2024 CEO der mehrheitlich übernommenen KATEK SE. Nach seinem Studium der Elektrotechnik an der Technischen Universität Graz avancierte der gebürtige Österreicher zum Manager in den Bereichen Mikrochips und Embedded Computing. Vor seinem Wechsel zu Kontron (damals S&T) war Hannes von 1999 bis 2007 Hauptaktionär und CEO der damaligen Kontron AG, die sich zum weltweit größten Anbieter im Bereich Embedded Computing entwickelte. Hannes treibt die strategische Positionierung von Kontron als führenden Anbieter von IoT-Lösungen konsequent voran.