Resilienz als neue Währung – Teil 2: AI, 5G und Defense als Treiber der industriellen Transformation

Wie intelligente Edge-Architekturen und sichere Embedded-Systeme Europas industrielle Zukunft gestalten
Wie im ersten Teil des Artikels aufgezeigt, kann Regulierung zum strategischen Vorteil werden. Doch Resilienz entsteht nicht allein durch Compliance, sondern erfordert auch technologische Tiefe.
Die Fragen, die wir uns heute stellen müssen, sind: Wo entfalten AI und 5G ihren größten industriellen Mehrwert – und warum ist der Verteidigungssektor längst zum Innovationstreiber für die gesamte Industrie geworden?
Daten entstehen heute nicht in der Cloud, sondern in Maschinen, Fahrzeugen, Produktionsanlagen und kritischen Infrastrukturen.
Unternehmen, die Daten dort verarbeiten, wo Latenz, Verfügbarkeit und Sicherheit entscheidend sind, sichern sich einen klaren Vorteil. . Genau das macht die Kombination aus AI und 5G am Edge so leistungsstark – aber eben auch zu einem potenziellen Einfallstor, das geschützt werden muss.
AI at the Edge & 5G: Intelligenz dort, wo Daten entstehen
Die Rolle von AI und 5G verändert sich weiter: weg von reinen Cloud-Ansätzen, hin zu intelligenten, sicheren Edge-Architekturen. Private 5G-Netze ermöglichen industrielle Echtzeitanwendungen und eine hochverfügbare Kommunikation. AI-Funktionalitäten verzahnen sich immer stärker mit Embedded-Systemen und sicheren Betriebssystemen.
AI-gestützte Anomalieerkennung, vorausschauende Wartung oder autonome Entscheidungsunterstützung entfalten ihren Mehrwert nur, wenn sie stabil, nachvollziehbar und cyberresilient betrieben werden können. Technologien, die in einem Bereich funktionieren, lassen sich zunehmend auf andere Industrien übertragen. Dadurch potenzieren sich Innovationen und Effizienzgewinne.
Ein Paradebeispiel und strategisch wichtiger Markt für Kontron ist der Bahnsektor: Mit dem Future Railway Mobile Communication System (FRMCS) entsteht derzeit eine neue, auf 5G basierende Kommunikationsinfrastruktur für sicherheitskritische Anwendungen. Die End-to-End-Lösungen für den Übergang von GSM-R zu FRMCS – MCx, private 5G-Kernnetze und cloudbasierte Management-Tools – lassen sich direkt auf weitere hochregulierte Industrien übertragen. Damit verschaffen sie frühen Anwendern einen klaren Wettbewerbsvorsprung.
Defense & sicherheitsrelevante Anwendungen: Technologie als Schutzfaktor
Die geopolitische Lage und die zunehmende Vernetzung kritischer Infrastrukturen treiben weltweit – und insbesondere in Europa – die Investitionen in Verteidigungs- und Sicherheitsprojekte voran. Staaten setzen auf langfristig resiliente, sichere und vernetzte Systeme, die extreme Anforderungen an Zuverlässigkeit, Echtzeitfähigkeit und Verfügbarkeit erfüllen.
Gefragt sind modulare Architekturen, offene Standards und robuste Embedded-Computing-Systeme, die hohe Rechenleistung, Stabilität und Cyberresilienz kombinieren.
Systeme müssen unter extremen Bedingungen wie Hitze, Kälte, Vibration und Staub zuverlässig funktionieren und gleichzeitig in komplexen Netzwerkstrukturen stabil zusammenarbeiten.
Sicherheit auf Hardware-Ebene, kontrollierte Lieferketten, lokale Fertigung und die Einhaltung internationaler Regularien gewinnen dabei an strategischer Bedeutung. Kontron setzt dabei auf globale Entwicklungsstandorte, ein eng vernetztes Ingenieurteam und lokale Fertigung in strategisch relevanten Regionen. Mit ITAR-Compliance stellt Kontron sicher, dass sensible Technologien ausschließlich an zugelassene Partner geliefert werden.
Gesamtfazit: Resilienz als neue Währung
Die Bereiche Cybersecurity, AI, 5G und sichere Embedded-Systeme wachsen weiter zusammen. Resilienz wird zur neuen Währung – technologisch, wirtschaftlich und strategisch. Unternehmen, die heute in sichere, softwaregetriebene und vernetzte Lösungen investieren, legen den Grundstein für nachhaltiges Wachstum in einem immer komplexeren Umfeld.
Über den Erfolg entscheiden interdisziplinäre Vernetzung und die Integration von Security, Echtzeitfähigkeit und AI in industrielle Plattformen. Kontron nimmt seine Verantwortung wahr und unterstützt Kunden dabei, ihre Systeme robust, flexibel und zukunftssicher zu gestalten.
Teil 1 verpasst? Lesen Sie, wie der Cyber Resilience Act und der EU-Bürokratieabbau die industrielle Sicherheitsstrategie neu definieren.
Über den Autor:
Hannes Niederhauser ist CEO der Kontron AG sowie seit dem 4. März 2024 CEO der mehrheitlich übernommenen KATEK SE. Nach seinem Studium der Elektrotechnik an der Technischen Universität Graz avancierte der gebürtige Österreicher zum Manager in den Bereichen Mikrochips und Embedded Computing. Vor seinem Wechsel zu Kontron (damals S&T) war Hannes von 1999 bis 2007 Hauptaktionär und CEO der damaligen Kontron AG, die sich zum weltweit größten Anbieter im Bereich Embedded Computing entwickelte. Hannes treibt die strategische Positionierung von Kontron als führenden Anbieter von IoT-Lösungen konsequent voran.